| Kritik
4 the Road aus dem X Press 2010
Gitarre
und Gesang – Jazz mit Stimme. Sicherlich keine Besonderheit
im alltäglichen Musikgeschäft. Dennoch etwas charmantes
und spezielles, wenn zwei Männer sich dem Thema widmen.
In der Regel erwartet man doch eher eine weibliche Stimme
zum Instrument. Das es auch anders hervorragend klingen kann
und den Hörer mitreißt, beweisen zwei die es seit
vielen Jahren oftmals zelebriert haben – Norbert Gottschalk
(Vocals, Flügelhorn, Gitarre) und Frank Haunschild (Gitarre
und Vocals).
Beides keine Unbekannten auf dem Flokati der Musik. Norbert
Gottschalk ist Dozent für Jazz-Gesang und Improvisation
nicht nur in Maastricht, er leitet auch als Gastdozent Seminare
am Berklee College Of Music in Boston. Daneben steht er auf
den Bretter u.a. mit Frank Nimsgern und er arbeitete viele
Jahre an der Seite von Peter Herbolzheimer – einer der
besten deutschen Bigband-Leader und Leiter des Bundesjazzorchester
- der leider am 27.03.2010 im Alter von 74 Jahren verstorben
ist. Frank Haunschild ist ein Jazz-Gitarrenmeister. Er unterrichtet
u.a. in Köln und Freiburg, ist Buchautor und als Solo-Künstler
in Jazzclubs gerne gesehen und gehört. Beide vereinen
sich im The Duo und präsentieren mit „4 The Road“
nach 1997 „Favorite Songs“, 2001 „Bridges“
und 2003 „Better Days“ ihr nun viertes Werk.
„4 The Road“ - Musik die berührt, oszilliert
und einen melancholisch umschmeichelt. Musik die vor Leichtigkeit
davon schwebt, die im Ohr hängen bleibt und emotional
sticht. Einfach nur toll. Große Spielfreude macht sich
breit und entfaltet eine äußerst aufregende Dynamik.
Süchtig machendes Liedgut aus einem reichen und mehrfarbigen
Repertoire. So erklingen Stücke u.a. von Pat Metheny
„James“, Antonio Carlos Jobim „Zingaro“
und Ralph Towner „Tramonto“ vollkommen neu, weil
sie mit eigener poetischen Lyrik angereichert plötzlich
freier atmen. Stücke wie „Nardis“ von Miles
Davis, „Two For The Road“ von Henri Mancini, „While
My Guitar Gently Weeps“ von George Harrison und „Black
Crow“ von Joni Mitchell erleben eine Totalinspektion
von vokaler Virtuosität, harmonischem Gesang und fingerspitzem,
äußerst überzeugendem Gitarrenspiel. Ein Hochgenuss.
Zwei Männer erobern gemeinsam ein Ziel – Jazz mit
Stimme und Gitarre, bereichert von Norbert Gottschalk´s
weichem Flügelhornspiel. Emphatischer, intensiver und
zarter Skatgesang von großer Tragweite legt sich auf
eine swingende, ausdrucksstarke, lebhafte und energiegeladene
Gitarre.
Dies kann man und darf man auch live erleben.
Stimme
wie ein Instrument eingesetzt
Zeitlose
Spontaneität in kreativer Vollendung. Ob intensive Zwiegespräche
mit der eleganten Gitarre oder fesselnde Vokalexkursionen:
Das Duo Norbert Gottschalk & Frank Haunschild verabschiedete
sich im Cotton Club zunehmend von gängigen Phrasen und Licks
der Bebop-Ära. Die Suche nach dem Song im Song – der perfekten
Melodie im Solo – scheint das Ziel zu sein. Sie kultivieren
die Kunst des Duos. Das ist nicht bloß eine Sache der Zweiheit.
Es ist ein Geflecht aus tausend Fäden, von denen der Hörer
nur wenige verfolgen kann. Und es ist eine Art Gegenbewegung:
fort von der elektronisierten Lautstärke zu einer intimen,
aufs äußerste personalisierten Aussage.
Norbert
Gottschalk weiß seine Stimme wie ein Instrument einzusetzen.
Schier ein ganzes Orchester bringt seine Kehle hervor: Schlagzeug
und Saxophon, Trompete und Bass. Aber all das kommt aus dem
Mund eines einzigen Mannes, vom tiefsten Bass bis zum höchsten
Flageolett. Rhythmisch vital, und trotzdem von einer großen
Sensibilität und Intimität. Gottschalk ist gleichzeitig auch
ein ausgezeichneter Gitarrist und Trompeter. Besonders seine
Soli auf dem Blechblasinstrument waren von einem ganz eigenen
melodischen Zauber und überzeugten sowohl durch die melodisch-dynamische
Spannkraft als auch durch den zarten Ton.
Frank
Haunschild ist nicht nur ein Theoretiker, der mit seiner dreibändigen
Schule „Die Neue Harmonielehre" ein Standardwerk der
modernen Musikpädagogik geschaffen hat, er versteht sein Handwerk
auch praktisch umzusetzen. So entwickelte er einen Individualstil
von absoluter Geschmackssicherheit und einer dosiert – im
Sinne einer völligen Deckung von Können und Wollen – eingesetzten
Technik. Die strukturelle Klarheit schließt weder Feuer noch
Beseeltheit noch Bluesatmosphäre aus. Da dominiert die Kunst
der Reduktion: entschlackt von üppigem Beiwerk, gelingen Passagen
purer Essenz.
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zum Anfang (Die Rheinpfalz, 25. September 1999)
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Art
of a Duo -
Favorite Songs
Pressezitate
»Eine
schöne wie schlüssig arrangierte Gitarre, relaxter Gesang,
cool fließende Trompetenlinien - die beiden Musiker schaffen
eine angenehme, swingende Atmosphäre ohne HiSpeed-Solismus
beweisen zu müssen oder Joe & Ella- bzw. Tuck & Patti-Klischees
zu strapazieren; ein eigenständiger Beitrag zu „The Art of
a Duo“ also.«
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(Gitarre & Bass, August 1998)
»Gitarrist
Frank Haunschild und Sänger/Trompeter Norbert Gottschalk wählen
ganz bewusst die reduzierte Form des Duos, um mit einem intimen
Album von hoher gestalterischer Kraft den Jazzmarkt zu überrumpeln.
Gottschalks wandlungsfähige Stimme und Haunschilds schlank-relaxtes
Fingerpicking produzieren eine kaum für möglich gehaltene,
erfrischend unverschnulzte Emotionalität, die den Trendsetter
„Schmusejazz“ als billigen Bauernfängertrick überführt. Manche
der wirklich gelungenen Covers wie Pat Methenys „Always and
Forever“, Mingus´ „Goodbye Porkpie Hat“ oder gar Claptons
„Tears in Heaven“ klangen nie zuvor intensiver, anregender.
Starke Leistung!«
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(jazzthing,
September 1998)
»Wenn
zwei so erfahrene Jazzmusiker wie Norbert Gottschalk und
Frank Haunschild ihre „Lieblingslieder“ im Duo aufnehmen,
dann klingt das nach jeder Menge Spaß. Und genau der stellt
sich beim Hören dieser kleinen Liedersammlung ein. Hier geht’s
eindeutig um Musik und nicht um übertriebenen Perfektionismus.
Gut, daß Jazz noch so sanft und schön klingen darf. Auf meinem
Lieblingstrack DOWN zeigt Gottschalk sein virtuoses Können
auf der Trompete, begleitet von herrlichen Walking-Linien
der Gitarre, die schließlich in ein treffsicheres „a capella“
Solo münden, welches trotz minimalistisch reduzierter Linienführung
die Akkord-Voicings noch zusammenhält. Einfach schön.«
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(Fachblatt
Musik Magazin, November 1998)
»Mit
dem Titel der CD „Art of a Duo - Favorite Songs“ ist bereits
bestens umrissen, was den Hörer erwartet: die kunst- und geschmackvolle,
kammermusikalische Präsentation einer wohldurchdachten Auswahl
von Jazz- und Popsongs. Der Zugang des Duos bleibt, auch im
Falle der Popstücke, jazzgeprägt. Haunschilds Gitarrensoli
und Gottschalks ideenreiche Scat-Improvisationen bescheren
der CD einige ihrer lebendigsten Momente. Timing und Handwerk
der beiden Musiker sind tadellos, die Aufnahmequalität der
CD hervorragend.«
zurück zum Anfang (General-Anzeiger,
November 1998)
»Zu
den schwierigsten Herausforderungen für Jazzmusiker zählt
das Improvisieren im Duo. Norbert Gottschalk und Frank Haunschild
stellten sich dieser Aufgabe. Auf den aufgeschlossenen Zuhörer
wartet eine reizvoll-besinnliche kammermusikalische Vorstellung,
bei der vor allem Gitarrist Haunschild mit großer Flexibilität
und Virtuosität überzeugt.«
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zum Anfang (Audio,
November 1998)
»Zwei
Ausnahmemusiker, der Vokalist und Trompeter Norbert Gottschalk
und der Gitarrist Frank Haunschild, geben sich alles, nehmen
sich nichts. Beide erklingen bei den 13 Standards hochinspiriert,
gewähren der Improvisation über „Changes“ größten Raum. Viel
Scatgesang und sechssaitige, einfallsreiche Begleitung lassen
die über 60 Minuten wie im Fluge vergehen. Eine feine Studie
für Scatsänger und Gitarristen.«
zurück
zum Anfang (Jazzpodium,
Dezember 1998)
»Eine
Jazzstimme
und eine Gitarre - kann das etwas hergeben? Es kann. Sänger
Norbert Gottschalk und Gitarrist Frank Haunschild haben ihre
Lieblingssongs zusammengestellt und eine intime, delikate
Platte daraus gemacht. Gottschalk singt, überwiegend in höherer
Lage, mit Musikalität, Wärme und punktgenauer Intonation und
nimmt durch völlige Entspanntheit für sich ein. Woher seine
Sicherheit kommt, zeigt sich, wenn er auch zur Trompete greift
oder pfeift: ein Könner. Dass die Reize des unwiderstehlichen
„All Blues“ immer noch nicht ausgelotet sind, beweist Gottschalk
mit seiner stimmigen Duo-Fassung. Damit erweist er sich als
wichtiger deutscher Jazzsänger.«
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zum Anfang (Amadeo,
Herbst/Winter 1998)
»Ein
echtes Highlight
hat der Autor und Jazzgitarrist Frank Haunschild unlängst
im Duo mit dem Sänger Norbert Gottschalk aufgenommen. Nicht
nur virtuos, sondern ebenso entspannt und einfühlsam interpretieren
auf „The Art of a Duo“ bekannte klassische Jazztitel. Haunschild
ist ein perfekter Begleiter und versierter Solist, seine Gitarrensounds
sind darüber hinaus schlichtweg großartig - und Vokalist Norbert
Gottschalk singt auf eine unangestrengt natürliche Weise,
daß es eine Freude ist, diese Platte von der ersten bis zur
letzten Note zu genießen.«
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zum Anfang (Akustik-Gitarre,
Oktober 1998)
»This
is really a duo that works as one. Norbert Gottschalk
sings and plays occasional trumpet while Frank Haunschild
plays guitar and they sound great together. Gottschalk has
a strong tenor voice that he uses well while Haunschild plays
acoustic and electric guitars with imagination. They do mostly
jazz standards with a few pop tunes thrown in. „All Blues“
swings like mad with Gottschalk doing guttural scat in the
best Hendricks/McFerrin style, „Down“ is a simple Miles Davis
bop riff where Gottschalk blows tight muted trumpet and „Porkpie
Hat“ has very soulful guitar under Gottschalk´s whispering
of Joni Mitchell´s lyrics. Most of this is subtle, uplifting
and sounds really good.«
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zum Anfang (Cadence,
USA, Dezember 1998)
Pressezitate
zur CD "Bridges"
Zwei
Männer, ein Ziel: Jazz mit Stimme
Uwe
Neesemann, Lübecker Nachrichten Manchmal
ist Musik, als käme man von einer langen Reise nach Hause.
Zum Beispiel, wenn man - endlich, endlich - mal wieder deutschen
Jazz mit richtigem Gesang geboten bekommt.
Die
Stimme hat einen Namen: Norbert Gottschalk, Jazzsänger, Trompeter
und Gitarrist. Im feinen inneren Zirkel der deutschen Jazzgemeinde
längst kein Unbekannter mehr, und auch im Ausland inzwischen
geadelt. Gottschalks erste CD erschien schon 1988, seither
ist der Mann mit der hohen Stirn ein gefragter Musiker. Jetzt
hat sich Gottschalk erneut mit dem Jazz-Gitarristen Frank
Haunschild zusammengetan, um mit sparsamen Mitteln optimale
Musik zu zaubern. Das Ergebnis heißt ,,Bridges“ und ist ein
Jazz-Album, das vor allem Freunde sentimentaler und warmer
Klinge begeistern dürfte. Es ist schon eine spannende Verbindung,
die diese beiden da eingehen: Hier die meist in hohen Lagen
arbeitende Stimme Gottschalks (der zudem auch zur Trompete
und Nylonstring-Gitarre greift), dort die tänzerische Gitarre
Haunschilds. Das hat nicht nur seinen eigenen Charme, es hat
auch eine spürbare Tiefe und vor allem viel Gefühl. So etwa
bei der Adaption des James-Taylor-Songs „Another Day“, aber
auch bei den Songs mit lateinamerikanischem Einschlag. Der
Jobim-Klassiker "One Note Samba", der aus irgendeinem
Grunde in jüngster Zeit auf keiner neuen Jazz-CD fehlt, bekommt
solch eine Portion Feuer dass selbst Freunde des klassischen
Bossa Nova vor Freude jauchzen möchten. Bridges“ ist das zweite
Album, das Gottschalk und Haunschild gemeinsam eingespielt
haben. Der Verdacht, deshalb in Routine zu verfallen, ist
indes unbegründet. "Bridges" ist ein glänzend ausbalanciertes
Album, aber es ist auch eine Platte mit Herz. Ein intimes
Album, im besten Sinne des Wortes.
Es ist zudem ein Beweis dafür, wie wenig Begriffe wie
Jazz, Pop oder Folk in Wahrheit aussagen und wie erfrischend
es klingen kann, wenn man sich auf hohem Niveau über die Grenzen
solcher Begriffe hinwegsetzen kann.
Lübecker
Nachrichten, zurück zum Anfang
Nach
den "Favorite Songs“ von 1998
zelebrieren der Sänger Norbert Gottschalk und der Gitarrist
Frank Haunschild ihre Auffassung der Kunst des Duos nun auf
,,Bridges“. In seelenverwandter Sensibilität für swingendes
Miteinander weben sie ihre Brücken in weich schwebenden Bögen
und eleganter Transparenz auf einander zu. In stimmungsvollen
Klangbildern kommt Entspannung pur aus den Boxen bei Joey
Calderazzos ,,Midnight Voyage", James Taylors „Another
Day" Antonio Carlos Jobims "One Note Samba“ oder
Eigenem wie dem ,,Folk Song", "Waltz for me“ und
,,Blue Minor", bei dem Gottschalk auch auf der Trompete
zeigt, dass Sanftmut nicht mit Schwäche gleichzusetzen ist.
zurück
zum Anfang (Jazzpodium, März 2002)
Frank
Haunschild kennen alle Gitarristen des deutschsprachigen
Raumes durch sein Standardwerk: "Die neue Harmonielehre“,
er ist einer der herausragenden deutschen Jazzgitarristen.
Er muss sich hinter keinem seiner Vorbilder (Burrell oder
Pass) verstecken. Norbert Gottschalk, über dessen Verwandtschaft
zu Thomas Gottschalk keine Infos vorliegen, auch wenn sich
seine mit Thomas‘ Nase durchaus messen kann, singt Eigenkompositionen
und Standards und spielt Trompete. Ein entspanntes Album mit
viel Raum zur Entspannung und ohne Anstrengung eingespielt.
Und dass Gottschalk kein Amerikaner ist, hört man wahrscheinlich
nur, wenn man die Sprache besser spricht als er. Anspieltipp:
die sphärische Eigenkomposition ,,Waltz For Me“, hier schwebt
Haunschilds Gitarre wie ein Blatt im Herbstwind und lässt
sich von den Sonnenstrahlen erwärmen. Herrlich!
zurück zum Anfang (Concerto,
März 2002)
Was
sie veröffentlichen, klang schon beim ersten Auftritt gereift
wie lange gelagerter Whiskey und berauschte wie frische Septemberluft. Drei Jahre nach
ihrem CD-Debüt haben Norbert Gottschalk und Frank Haunschild
nun ihr Klangspektrum vorsichtig erweitert und die Akzente
etwas verschoben. Norbert Gottschalk spielt nun manchmal auch
auf Gitarre und Trompete mit und pfeift jazzige Melodien mit
schwindelerregender Intonationssicherheit; statt Klassikern
am laufenden Band gibt es nun mehr Eigenkompositionen. Wie
wenig sie es mittlerweile nötig haben, Knaller á la ,,Moondance“
oder „Spain“ an den Anfang zu setzen, zeigt das samtig-jazzige
,,Midnight Voyage“: Elegant wird der Hörer sofort hineingezogen
in ein Album, das Ruhe, Harmonie und Offenheit ausstrahlt,
ohne in die unsägliche Smooth-Jazz-Ecke abzugleiten, und das
Pop-Elemente behutsam integriert, ohne dass damit ein Niveauverlust
verbunden wäre. Das liegt zum einen an einer stupenden Lockerheit
- jeder Ton sitzt, und zwar so mühelos, dass alles ein vornehmes
Understatement atmet. Zum anderen schafft die vorzügliche
Produktion dank einer behutsamen Annäherung der Sounds verschiedener
Gitarrentypen (Steelstring, Nylonstring, Archtop) aneinander
ein unaufdringlich schönes, einheitliches Klangbild, ohne
dass die charakteristischen Unterschiede synthetisch verwischt
werden. Zum dritten sind Songauswahl und -bearbeitung wieder
vom Feinsten: Ein munterer Swing mit „I Wish You Love“, ein
einfühlsames ,,You Don't Know What Love Is“, eine lässige
"One Note Samba" (zeitweise nur von Perkussion auf
Frank Haunschilds Archtop begleitet), ein unverschämt gut
inszeniertes "Another Day" von James Taylor und
das im Stil Pat Metheny huldigende "Holiday Rain"
(eine Eigenkomposition) bilden die Höhepunkte eines leise
groovenden Albums, dessen Sog sich
bei mehrmaligem Hören immer stärker entfaltet.
zurück
zum Anfang (Akustik
Gitarre, Februar 2002)
Norbert Gottschalk und Frank Haunschild
- Bridges
Scatman John war eine typische Chart-Attrappe der 90er-Jahre.
Angeblich mit Jazzfeeling machte er handelsübliche Dancefloor-Dutzendware.
Das Jazzige daran sollte sein Scat-Gesang sein. Scatten ist
eine flinkzüngige Vokalimprovisation auf Leersilben, mit der
ein Jazzsänger seine tonale Treffsicherheit und vor allem
sein Improvisationstalent unter Beweis stellen kann. Die Stimme
als Instrument: Eine Kunst, die man heute eher selten zu hören
bekommt – und ganz sicher nicht von Scatman John. Norbert
Gottschalk ist ein deutscher Sänger, der nicht nur im Scat-Gesang
glänzt. Das Album "Bridges" ist seine zweite Zusammenarbeit
mit dem Gitarristen Frank Haunschild.
Beide sind Musiker mit akademisch verbrieftem Qualitätsanspruch:
Gottschalk lehrt am Maastrichter Konservatorium,
Haunschild an der Musikhochschule Köln. Die Platte klingt
aber nicht wie ein professorales Lehrstück: Es geht unter
die Haut, wie hier Standards und eigene Stücke interpretiert
werden. Das knappe Arrangement von Gesang und Gitarre sorgt
per se schon für Intimität zwischen Musikern und Hörern. Vor
allem aber ist es die Stimme Gottschalks, die sich elegant
in die Gehörgänge schmeichelt (und übrigens exquisit aufgenommen
ist). Haunschild füllt die Pausen mit Swing und Verve auf
akustischen und elektrischen Gitarren, glänzt als solistischer
Gegenpol zur Stimme. Bei aller Improvisationsfreude an Instrument
und Mikro verfallen die beiden aber nicht einem musiktechnischen
Fetischismus. Schließlich müssen sie nicht betonen, was sie
alles können - man hört es ohnehin. Die eigentliche Kunst
besteht darin, sich im Dienste des Zusammenspiels und der
Songs zurückzunehmen. Und da können die Studenten von Gottschalk
und Haunschild eben doch einiges lernen. Zum Beispiel, wie
man tausendmal gehörte Klassiker ohne Patina spielt, etwa
"I Wish You Love" oder "One Note Samba".
Und wie man neue eigene Songs in solch eine "Ahnengalerie"
nahtlos integriert. Fazit: Lieber zwei Musikdozenten als einen
Chart-Klon im CD-Spieler.
Bewertung: Ausgezeichnet
Matthias Kaufmann, Viva-TV
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